Alle Artikel mit dem Schlagwort: Chile

Seekarte Tierra del Fuego

Sehnsuchtsorte am Ende der Welt

„Warum – und das ist nicht nur meine spezielle Sicht – ergreift dieses abweisende, öde Land so von mir Besitz? (…) Ich kann meine Empfindungen nur schwer erklären. Aber es mag daran liegen, dass hier der Einbildung volle Freiheit gegeben ist.“ (Charles Darwin) Was Charles Darwin rückblickend auf seine Reise durch den äußersten Süden Patagoniens – und damit der Südspitze des amerikanischen Kontinents – beschrieb, wirkt noch heute so auf uns. Was wir sehen: eine wild zerklüftete Landschaft aus labyrinthisch verschlungenen Meeresarmen, kargen, unfruchtbaren Inseln und vergletscherten Bergen. Ihr hatte Magellan schon 1520 den Namen „Feuerland“ gegeben. Wer damit – wie ich in jungen Jahren – feuerspeiende Vulkane verbindet, irrt. Vielmehr hatten er und seine Begleiter beobachtet, dass die seit Jahrtausenden dort lebenden Yamana, ein Volk von Seenomaden, auf ihren Kanus stets Feuer mit sich führten. Das Bild prägte sich so ein, dass daraus die an und für sich raue und kalte Region ihren Namen erhielt: Tierro del Fuego, Land des Feuers. Unsere Kreuzfahrt mit der Ventus Australis folgt ihren Spuren ebenso wie denen von …

Blick auf den Vulkan Osorno in Chile

Von Weinbergen und Vulkanen

Es gibt eine schöne Legende über die Entstehung von Chile – und die geht so: „Als Gott die Welt erschaffen hatte, waren noch ein paar Landschaften übrig: kleine und riesige Gebirge, Hochebenen und Täler, Vulkane, Seen und Teiche, Bäche und Flüsse, Weiden, Ackerland, Wälder, Fjorde und Inseln, Bäche und reißende Flüsse, Gletscher und Eisfelder. Und Gott nahm alles, was übrig war und machte daraus ein langes und schmales Land.“ Chile. Es ist mehr als 4.500 Kilometer lang geworden und im Durchschnitt nur 180 Kilometer breit. Und überall gibt es Natur pur. Genau die wollen wir sehen, und so ist unsere erste große Reise nach der Weltreise eine sechswöchige Tour durch Chile. Im Norden, genauer gesagt in der bizarren Wüstenlandschaft rund um San Pedro de Atacama, waren wir vor zweieinhalbJahren schon. Deshalb reisen wir jetzt in den Süden. Von Santiago de Chile bis nach Patagonien und – über einen Abstecher in das argentinische Wanderparadies El Chalten – wieder zurück.

Straßenszene Proteste in Santiago de Chile

Wenn es Abend wird in Santiago

Spätnachmittag in der chilenischen Metropole: Während die fesch gekleideten Angestellten aus den Banken und Großunternehmen in die Bar gehen, um nach der Arbeit einen Pisco Sour oder ein Bier zu trinken, andere im obligatorischen Verkehrsstau auf dem Nachhauseweg stehen, rüsten sich junge Leute zum Kampf. Von überall her ziehen sie Richtung Plaza Italia, viele mit Atemmasken, das Gesicht vermummt. Sie rüsten sich für den Straßenkampf, der gleich nach Einbruch der Dunkelheit einsetzen wird. Gleichzeitig fahren immer mehr gepanzerte Polizeifahrzeuge auf und beziehen an strategischen Punkten Position. Ein düsteres Bild.

Elke Zapf und Wolfgang Eckart vor dem Vulkan Llaima in Chile

Eine kleine Aufmerksamkeit

Hallo Ihr Lieben! Seit fast vier Jahren gibt es diesen Reiseblog, und fast alle von Euch sind von Anfang an dabei. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön! Denn 19 Monate lang habt Ihr während unserer Weltreise jede Woche einen Artikel, manchmal sogar zwei, gelesen, kommentiert und geteilt. Das freut uns immer noch sehr. Doch seit ziemliche genau zwei Jahren sind wir wieder zurück in Deutschland, haben einiges an unserem Leben geändert  – und so gut wie keinen Artikel mehr veröffentlicht.

„Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano

Ob ich „den Galeano“ kenne? Auf unseren Reisen durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wurde ich zum wiederholten Male auf dieses Buch angesprochen, vor allem von jungen Leuten. Tenor: Eine Art „Bibel der Unterdrückten“ und Pflichtlektüre, wenn ich mehr über die historischen und politischen Zusammenhänge Lateinamerikas erfahren wolle. Und mehr über die Ursachen der andauernden ökonomischen und politischen Krisen der Länder dort, über deren jahrhundertelange systematische Ausbeutung und Abhängigkeiten vom Weltmarkt, insbesondere im Zeichen des „Freihandels“. Zwar schon 1971 veröffentlicht, aber immer noch hochaktuell. Geschichtsschreibung mit Leidenschaft Tatsächlich hatte ich „den Galeano“ schon kurz nach seinem Erscheinen verschlungen, vermutlich 1974/75, also während meines Studiums der Geschichte. Ich hatte ihn in mehreren Nächten gelesen und war begeistert: von der Klarheit und Leidenschaftlichkeit, mit der der aus Uruguay stammende Autor die Geschichte Lateinamerikas von der Unterwerfung und Kolonisation durch die Spanier und Portugiesen bis zu den Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts und deren westliche Helfer (allen voran die USA)  in einem großen Wurf dargestellt hat. Dies ganz bewusst nicht aus der Sicht „der Sieger“, sondern aus der Perspektive der …

„Lodge Altitud“ in San Pedro de Atacama

Perfekt in die Landschaft eingepasst ist die „Lodge Altitud“ in San Pedro de Atacama. Sie liegt ein bisschen außerhalb und ist dadurch angenehm entfernt vom Trubel der Traveller-Szene in der Oasenstadt. Statt Lärm und Gewusel hatten wir hier einen grandiosen Blick auf die Anden und Vulkane und auf den Sternenhimmel. Für Astronomiefans gibt es sogar ein eigenes Observatorium. Tradition und Kunst Die Lodge ist landestypisch aus den traditionellen Adobe-Lehmziegeln erbaut und sehr geschmackvoll eingerichtet. In unserem Zimmer hing zum Beispiel ein großes Bild in Erdtönen, das uns sehr gefallen hat und dem Zimmer noch einmal eine besondere Note verleiht. Außerdem gibt es eine Heizung, was in einer Unterkunft in San Pedro de Atacama ziemlich ungewöhnlich ist. Da wir im chilenischen Herbst hier waren und die Temperatur nachts durchaus mal auf Null Grad gesunken ist, haben wir abends sehr gern die kleine Heizung genutzt… Engagierter Besitzer Der Besitzer Alvaro ist extrem nett und hilfsbereit und hat uns öfter mal mit dem Auto in die kleine Oasenstadt mitgenommen. Ansonsten ist es ein Fußweg von rund 15 Minuten über eine staubige Piste und durch einen Bach. Outdoor-Schuhe und …

Atemberaubende Atacamawüste

Atemberaubend in vielerlei Hinsicht ist unsere Woche in der Atacamawüste im Norden von Chile: Zunächst ist da die Landschaft, die weit und malerisch und atemberaubend schön ist. Dann ist da die Luft, die ziemlich dünn ist und mir wortwörtlich bisweilen den Atem raubt. Und schließlich gibt es in der trockensten Wüste der Welt noch ein ganz besonderes Erlebnis für uns: Einen Regentag, der uns am nächsten Morgen einen Blick auf schneebedeckte Vulkane beschert. „Für mich ist die Wüste wie ein Lehrbuch, in dem man in die Erdgeschichte zurückblicken kann.“ (Michael Martin) Traveller-Treff San Pedro de Atacama Treffpunkt für Reisende in der Atacamawüste ist San Pedro de Atacama, eine kleine und sehr beliebte Oasenstadt mitten in der Wüste, die auf 2.438 Metern (!) über dem Meeresspiegel liegt. Alle Häuser des Orts sind im traditionellem Stil aus Lehmziegeln erbaut und reihen sich rund um die Plaza de Armas und die Hauptstraße Caracoles. Hier gibt es jede Menge Cafés und Restaurants, ein paar kleine Läden und vor allem unglaublich viele Agenturen, die Ausflüge in die Umgebung anbieten. Auch wir haben etliche Touren gebucht und dabei richtig viele Fotos geschossen. Eine kleine Auswahl zeigen …

Alexander von Humboldt
und die Entdeckung der Natur

Vor uns die Wüste, am nahen Horizont die schneebedeckten Andengipfel. Diese zauberhafte Landschaft hätte Alexander von Humboldt auch fasziniert. Er war zwar nie in der Atacama-Wüste – wo wir gerade sind -, aber er hatte auf seiner berühmten Südamerikareise Andengipfel bestiegen, Regenwälder durchquert und war von der üppigen Flora und Fauna ebenso begeistert wie von kargen Steppen- und Wüstenlandschaften, die wir hier im Norden Chiles vorfinden. Besonders schlugen ihn Vulkane und Geysire in seinen Bann – auch die erleben wir hier geradezu hautnah. Alles hat er systematisch erforscht, aber im Gegensatz zu anderen Naturforschern war Humboldt nicht darauf aus, Objekte zu sammeln und in Kategorien zu stecken. Vielmehr interessierten ihn die großen Zusammenhänge in der Natur und zwischen Kosmos, Natur und Mensch. Humboldt neu zu entdecken und seinen modernen Blick auf die Natur zu begreifen, ist das Verdienst der großartigen Humboldt-Biographie von Andrea Wulf. Seit ich sie gelesen habe, sehe auch ich die Natur mit etwas anderen Augen. Aguas Calientes mit Blick auf die Anden Eine neue Sicht auf Humboldt Ein ganz Großer der Forschung, …

Kunst und Kultur vor Kolumbus

Als er kommt, sind sie schon lange da. Er ist Christoph Kolumbus, genuesischer Seefahrer, der im 15. Jahrhundert im Dienste Spaniens unterwegs ist und 1492 Amerika „entdeckt“. Sie sind die Mapuche, die Ureinwohner des Südens von Chile und Argentiniens, die sich selbst „Menschen der Erde“ nennen und seit jeher in Einklang mit der Natur leben. Wir wollten mehr über sie – und auch über die Kunst und Kultur anderer indigener Völker vor der Entdeckung durch die Europäer – erfahren und besuchten heute das Museo Chileno de Arte Precolombino in Santiago de Chile. Es hat sich gelohnt. Friedlicher Gott Am Eingang begrüßt uns eine Steinskulptur, die zur San-Agustín-Kultur im heutigen Südkolumbien zählt. Die Figur ist knapp einen Meter hoch, stammt aus der Zeit um das Jahr 500 nach Christus und zeigt eine friedliche Götterfigur, die einen freundlich in den Museumsräumen empfängt. Musikalischer Krieger Gleich daneben sehen wir in der Vitrine einen bewaffneten Krieger (rechte Figur). Er ist knapp 20 Zentimeter hoch und wird der ecuadorianischen Jama-Coaque-Kultur zugeschrieben, die von 600 vor bis 400 nach Christus dauerte. Begleitet wird er von einem Musiker mit Flöte –  beide Figuren sind in vielen amerikanischen Kulturen …

Kreative Szene und bewegte Geschichte: Valparaíso

Vom ersten Augenblick an sind wir  begeistert von Valparaíso.  Obwohl wir bei unserer Ankunft vor drei Tagen – nach einer neunstündigen Busfahrt über die Anden – ziemlich erschöpft waren. Und obwohl wir von strömendem Regen begrüßt wurden. Doch unser kleines Bed and Breakfast in der chilenischen Hafenstadt ist richtig schnuckelig und liegt im schönsten Stadtteil der chilenischen Hafenstadt: Auf dem „Cerro Alegre“, einem der 42 Hügel der Altstadt, die seit 2003 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Enge Gassen und steile Stufen, farbenfrohe Häuser und kreative Streetart, kleine Hotels und gemütliche Cafés, tolle Blicke auf Hafen und Meer – an klaren Tagen sogar auf den Aconcagua, den höchsten Berg Amerikas – das alles macht das besondere Flair dieser Stadt aus, die schon viele Künstler und Intellektuelle in ihren Bann gezogen hat. Bunte Häuser und Treppen im „Cerro Alegre“: Verschachtelte Altstadt Am ersten Morgen nach unserer Ankunft haben wir schönes Wetter und lassen uns durch die verwinkelten Gassen in unserem Viertel treiben. Wir laufen bergauf und bergab, biegen um viele Kurven und Ecken – und hinter jeder wartet eine neue Überraschung: ein wunderbar restauriertes Haus, ein atemberaubender Blick, eine hippe Galerie oder eine cool bemalte Wand. Und manchmal stehen wir plötzlich vor …