Buch-Tipp

Bücher

  • Buch Das Mädchen mit der Leica
    Buch-Tipp,  Reiseblog

    „Das Mädchen mit der Leica“ von Helena Janeczek

    Sie macht mich neugierig. Die junge Frau mit dem kurzen Haar, dem schelmischen Blick, den spöttisch nach oben gezogenen Lippen und der Zigarette in der Hand. Ihr schwarz-weiß-Foto auf dem Buchumschlag nimmt mich sofort für „Das Mädchen mit der Leica“ ein. Gerda Taro heißt die Frau auf dem Bild, und sie ist eine der ersten Kriegsfotografinnen der Welt.   Die Frau, die den Spanischen Bürgerkrieg fotografiert Als erste Frau fotografiert Gerda Taro das Grauen des Spanischen Bürgerkriegs. Mit ihrer Leica ist sie immer ganz nah dran, unterstützt unerschrocken die Antifaschisten, veröffentlicht ihre Bilder in internationalen Magazinen – und bezahlt ihren Einsatz im Jahr 1937 mit dem Leben. Ein Panzer überrollt die Fotografin als sie…

  • 1499223646997 | aufmerksam reisen
    Buch-Tipp

    „Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano

    Ob ich „den Galeano“ kenne? Auf unseren Reisen durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wurde ich zum wiederholten Male auf dieses Buch angesprochen, vor allem von jungen Leuten. Tenor: Eine Art „Bibel der Unterdrückten“ und Pflichtlektüre, wenn ich mehr über die historischen und politischen Zusammenhänge Lateinamerikas erfahren wolle. Und mehr über die Ursachen der andauernden ökonomischen und politischen Krisen der Länder dort, über deren jahrhundertelange systematische Ausbeutung und Abhängigkeiten vom Weltmarkt, insbesondere im Zeichen des „Freihandels“. Zwar schon 1971 veröffentlicht, aber immer noch hochaktuell. Geschichtsschreibung mit Leidenschaft Tatsächlich hatte ich „den Galeano“ schon kurz nach seinem Erscheinen verschlungen, vermutlich 1974/75, also während meines Studiums der Geschichte. Ich hatte ihn in mehreren…

  • Chile Atacama AguasCalientes Vulkan | aufmerksam reisen
    Amerika,  Buch-Tipp,  Europa

    Alexander von Humboldt
    und die Entdeckung der Natur

    Vor uns die Wüste, am nahen Horizont die schneebedeckten Andengipfel. Diese zauberhafte Landschaft hätte Alexander von Humboldt auch fasziniert. Er war zwar nie in der Atacama-Wüste – wo wir gerade sind -, aber er hatte auf seiner berühmten Südamerikareise Andengipfel bestiegen, Regenwälder durchquert und war von der üppigen Flora und Fauna ebenso begeistert wie von kargen Steppen- und Wüstenlandschaften, die wir hier im Norden Chiles vorfinden. Besonders schlugen ihn Vulkane und Geysire in seinen Bann – auch die erleben wir hier geradezu hautnah. Alles hat er systematisch erforscht, aber im Gegensatz zu anderen Naturforschern war Humboldt nicht darauf aus, Objekte zu sammeln und in Kategorien zu stecken. Vielmehr interessierten ihn…

  • 1485698617442 | aufmerksam reisen
    Australien,  Buch-Tipp

    „Frühstück mit Kängurus“ von Bill Bryson

    Weder der Name des Autors (ein US-Bestsellerautor, oh mein Gott!;-) noch der deutsche Titel klingen vielversprechend. Eines von vielen seichten Reisebüchern, könnte man denken. Und dennoch habe ich Bryson’s Buch mit großem Vergnügen gelesen. Warum? Nun, Bryson hat sich auf zahlreichen Reisen durch Australien und durch sorgfältige Recherchen, darunter auch zu heiklen Themen, kundig gemacht, dies aber in sehr menschliche Geschichten verpackt. Er ist ein glänzender Erzähler, ausgestattet mit viel Witz und Ironie. Tatsächlich habe ich bei der Lektüre immer wieder lauthals über seinen skurrilen Humor gelacht. Und als Reise- und Wissenschaftsjournalist verkörpert er die angelsächsische Tugend, auch komplexe Sachverhalte unterhaltsam rüberzubringen. Die Originalausgabe erschien unter dem Titel „In a…

  • 1477285838673 | aufmerksam reisen
    Amerika,  Asien,  Buch-Tipp

    „Der stille Amerikaner“ von Graham Greene

    Wie aktuell kann ein Roman über Machtpolitik und Moral, Krieg und Kriegsberichterstattung, Rolle des Westens und dessen folgenschwere Politik in den Kolonialgebieten sein, der in den 50er Jahren in Vietnam geschrieben wurde? Noch dazu, wenn er zugleich eine Geschichte erzählt, bei der zwei Männer zu Rivalen um eine attraktive Vietnamesin werden? Ich verspreche es: Sehr aktuell! Das Buch, das der britische Autor Graham Greene in der ersten Hälfte der 50er Jahre bei seinen Aufenthalten in Vietnam geschrieben hat, hat schon bei seiner Veröffentlichung 1955 eine ungewöhnlich starke politische Wirkung entfaltet. Und es erwies sich geradezu als prophetisch, was die Rolle der USA in Vietnam betrifft. Heute gelesen, drängen sich Vergleiche…

  • image 3 | aufmerksam reisen
    Buch-Tipp,  Europa

    „Atlas eines ängstlichen Mannes“ von Christoph Ransmayr

    „Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt.“ Mit diesem einfachen, aber klugen Satz leitet Christoph Ransmayr die Sammlung seiner 70 kurzen Erzählungen aus aller Welt ein. Zugleich erinnert er uns daran, dass wir fast alles, was wir von der Welt zu wissen glauben, nur aus Erzählungen – oder Berichten, Dokumentationen etc. – kennen. Und dass wir das, was wir selbst erlebt haben, zu unseren Geschichten machen, wir also letztlich alle Geschichtenerzähler sind. Und dass man selbst raus muss in die Welt, um zu schauen, zu beobachten, zu verstehen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ransmayr war selbst viel unterwegs, ist viel gereist. Er hat sich dabei an Orte begeben, die…

  • image 1 | aufmerksam reisen
    Asien,  Buch-Tipp

    „Gebrauchsanweisung für Indien“ von Ilija Trojanow

    Wohl jeder von uns hat seine Bilder von Indien im Kopf: Die farbenfrohen Saris der Frauen, den betörend schönen Taj Mahal, Yoga, Ayurveda und die Gurus, die berühmten heiligen Kühe oder Elendsbilder bitterer Armut. Nicht zu vergessen die „Spiritualität Indiens“, die seit jeher Sinnsucher en Masse in das Land zieht. Aktuell steht Indien aber auch für einen IT- und Software-Boom. Kaum ein Land lädt so zu Abziehbildern ein wie Indien. Dabei ist es ebenso vielfältig wie widersprüchlich. Wer – wie wir – Indien zum ersten Mal bereist, noch dazu gleich zwei Wochen in der 20- Millionen-Metropole Delhi verbringt, erlebt einen Kulturschock. Scheinbar alles ist hier anders: Der Kontrast zwischen arm…

  • image 9 | aufmerksam reisen
    Afrika,  Buch-Tipp

    „Dreizehn Stunden“ von Deon Meyer

    Es ist schon komisch: Ich liege spätabends in der Campstreet in Kapstadt auf dem Bett und lese – und die Handlung des spannenden Thrillers „Dreizehn Stunden“ von Deon Meyer spielt direkt vor unserer Haustür. Zwei Morde passieren – natürlich nur im Buch – in Gardens, also dem Stadtteil, in dem wir seit drei Wochen wohnen und uns so wohlfühlen. Und das fiktive Drama nimmt seinen Lauf in einer Bar, die beim richtigen Namen genannt wird und nur 100 Meter Luftlinie von uns entfernt ist. Was nimmt mich daran so mit? Ganz einfach: Die Frage, ob ich der jungen Frau geholfen hätte, wenn sie mich morgens um vier auf der Straße getroffen und um Hilfe gebeten…

  • Buch "Licht und Schatten in Namibia" von Anna Mandus
    Afrika,  Buch-Tipp

    „Licht und Schatten in Namibia“ von Anna Mandus

    Namibia hat mehr als hohe Dünen, wilde Tiere und weite Landschaften zu bieten. Wer als Reisender hinter die Kulissen blicken und mehr über den Alltag und das öffentliche Leben erfahren will, dem sei ein Buch von Anna Mandus empfohlen. In flott geschriebenen Kapiteln beleuchtet sie die Realität Namibias aus der Sicht einer Deutschen, die 2008 hierher gezogen ist, um einen waschechten „Südwester“ zu heiraten. ironischer Blick auf Klischees Mit Humor und ironischem Blick auf typische Namibia-Klischees (so die Schwarzwälder-Kirschtorte, die als Relikt aus der deutschen Kolonialzeit übriggeblieben ist), gelingt es ihr, ein sympathisches, bisweilen aber auch schonungsloses Bild der Verhältnisse zu zeichnen: Hohe Arbeitslosigkeit erzeugt, wie andernorts auch, hohe Kriminalitätsraten.…

  • image 1 | aufmerksam reisen
    Afrika,  Buch-Tipp

    „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ von Benno Martin

    Zweieinhalb Jahre Kampf ums Überleben in der Wüste. Zwei deutsche Geologen, die sich seit 1935 zu Forschungszwecken in Namibia aufhalten, verstecken sich 1940 in einem abgelegenen Canyongebiet, um der Internierung durch die südafrikanische Mandatsmacht zu entgehen. In seinem packend geschriebenen Buch beschreibt Benno Martin, wie er, sein Freund und Kollege Hermann Korn und Otto, ihr Hund, in einer extrem menschenfeindlichen Umgebung tagtäglich ums Überleben kämpfen, aber auch, wie sehr sie an dieser Herausforderung wachsen. Gleichzeitig, und das macht dieses Buch wirklich lesenswert, reflektieren sie ihre Situation als „Aussteiger“ zivilisationskritisch: Während Nazi-Deutschland Europa überfällt und brutal unterwirft (was sie von Zeit zu Zeit im Radio verfolgen können), fragen sie sich aus der…